Neue “Ride-Sharing-Dienste” sind nicht ganz unumstritten

Während meiner ersten Jahre in Hamburg, im letzten Jahrtausend, habe ich hin und wieder die Mitfahrzentrale genutzt. Ich habe dort angerufen und meinen Fahrplan durchgegeben: Von Hamburg nach Mannheim am Freitag ab 14:00 Uhr. Daraufhin haben sich Leute gemeldet, die die Strecke ganz oder nur zu einem Teil mitfahren wollten. Das hat meist ganz gut geklappt und mein Budget geschont.

Zur Zeit erlebt die “Mitfahrgelegenheit” als “Ride Sharing” oder “Shuttle on Demand” einen neuen Boom. Dieser findet allerdings in den großen Ballungsräumen, nicht auf der Langstrecke statt. Per App melden die Kunden ihren Standort und ihr Ziel an und bekommen daraufhin ihre Abfahrtszeit genannt — meist innerhalb weniger Minuten. Große Player im Mobilitätsgeschäft — wie die Deutsche Bahn mit Ioki oder VW mit Moia — versuchen, mit diesen neuen “Ride-Sharing-Diensten” in den Großstädten Fuß zu fassen. Sie präsentieren sich als umweltfreundliche Alternative zum eigenen Auto und ideale Ergänzung zum ÖPNV.

Doch es gibt auch Kritik: Der ÖPNV hat eine Versorgungspflicht und muss auch Randgebiete bedienen sowie von früh morgens bis in die Nacht, auch mit wenigen Fahrgästen, unterwegs sein. Die neuen Anbieter hingegen, so die Befürchtungen, könnten sich auf lukrative Stadtbereiche beschränken und dem ÖPNV eher Fahrgäste wegnehmen als zuzuliefern. Außerdem wird befürchtet, dass eher Menschen, die sonst mit dem Fahrrad zur U- oder S-Bahn fahren, zunehmend Ride-Sharing-Dienste nutzen und somit den Straßenverkehr be- statt entlasten.

Klar ist, dass sich mit Ride-Sharing-Diensten keine Massen transportieren lassen. Das können nur der Omnibus, die S-, U- und Straßenbahnen. Auch der große “Uber-Stau”, wie er in manchen US-Großstädten entsteht, wird hierzulande vermutlich ausbleiben. Dafür ist das ÖPNV-Netz zu gut ausgebaut und für die meisten Nutzer ist der ÖPNV immer noch das schnellste und kostengünstigste Verkehrsmittel.

Um den Stadtverkehr spürbar zu entlasten, bieten Fahrräder und E-Bikes in Verbindung mit dem ÖPNV das größte Potenzial. Sicher gibt es immer wieder Situation, in denen das selbstgefahrene Auto oder ein Ride-Sharing-Dienst die beste Lösung bieten, etwa wenn ich mit viel Gepäck zur nächsten S-Bahn-Station muss. Um für die jeweilige Situation schnell die optimale Kombination der Verkehrsmittel zu finden, braucht es intelligente Lösungen. “rethink mobility”, unsere Plattform für betriebliche Mobilität, könnte eine davon sein.

Die Diskussion um die Ride-Sharing-Dienste und deren Potenzial als Ergänzung oder Konkurrent des ÖPNV ließ sich auf der Podiumsdiskussion “Wer steuert die Mobilität in der Smart City der Zukunft?” der Zeit im letzten November in Frankfurt gut nachvollziehen. Diese ist hier dokumentiert.

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Dieser Artikel wurde verfasst von Ingo Bokermann